Archive for Januar, 2008

Fernmeldetechnik

Samstag, Januar 26th, 2008

Der Ausweichsitz der Verfassungsorgane musste eine Hauptaufgabe erfüllen: die Sicherstellung der Regierungsfähigkeit der Bundesrepublik Deutschland in Spannungs-, Krisen- und Verteidigungsfall. Diese Aufgabe gelingt nur durch Kommunikation, die mit den modernsten Anlagen und dem Stand der Technik entsprechenden Geräte erfolgen muss.

Dazu sollte es redundante Einrichtungen und Notfallkommunikationswege geben, um die Handlungsfähigkeit auch unter erschwerten Bedingungen aufrecht erhalten zu können.

Der Artikel wird fortgesetzt…

Dokumentationsstätte Regierungsbunker

Donnerstag, Januar 24th, 2008

Der Initiative vieler historisch begeisterter Menschen und nicht zuletzt dem politischen und heimatbezogenen Engagement lokaler Kräfte ist es zu verdanken, dass ein ca. 200 m langes Stück der Anlage im Bauwerk Ost/Ost inkl. aller Eingangsbauteile vor den Baggern des Rückbaus gerettet werden konnte. Da der Rückbau unter dem veranschlagten Kostenrahmen blieb, konnten Mittel in Höhe von ca. 2,5 Mio EUR in den Bau und die Erhaltung dieses kleinen Stücks Deutscher Geschichte investiert werden.

Das Haus öffnet Anfang März 2008 seine imposanten Tore und Türen für Besucher. Hochqualifizierte Gästeführer, z.B. ehemalige Bedienstete der Anlage oder vorherige Bundeswehrangehörige werden sachkundig den interessierten Besuchern Auskunft geben. In einem Kinosaal werden wichtige Informationen vor dem Betreten der Anlage erläutert, dazu werden viele Originalexponate zu sehen sein. Ein kleiner Shop mit weiterführender Literatur und kleinen Besonderheiten ergänzt das ungewöhnliche und einzigartige Museum.

Es ließ sich leider nicht vermeiden, aber aus technischen Gründen (wasserführender Berg) liegt die Dokumentationsstätte nicht am alten Haupteingang der Anlage im Taleinschnitt Marienthal, sondern im östlichen Ende des Bauwerks Ost an der höchsten Stelle des Tunnels. Es ist jedoch gelungen, einige interessante Artefakte (u.a. Teile der ehemaligen Kommandozentrale in Ost/West) zu retten und diese im Museum aufzubauen.

Obwohl diese Einrichtungen dort nie gestanden haben, vermitteln sie einen guten Eindruck vom damaligen Aussehen des Bunkers Marienthal. Neben einer Sanitätsstation, dem Nachbau des Kanzlerzimmers und den eindrucksvollen MAN-Toren können die Besucher von einer eigens geschaffenen Plattform in die durch den Rückbau vollständig entkernte Tunnelröhre der Restanlage blicken. Hier bekommt man einen Eindruck davon, dass die 200 m erhaltenes Museum gerade mal 1 % der ehemaligen Anlage ausmachen.

NATO-Lage im Kalten Krieg

Donnerstag, Januar 24th, 2008

Die angenommen Bedrohungsszenarien der NATO lesen sich heute wie das Drehbuch zu einem Weltuntergangsszenario.

1954 ging die NATO davon aus, dass „[…] die Sowjetunion und ihre Satellitenstaaten zu dieser Zeit aufgrund ihrer einheitlichen Koomandostruktur, der Konzentration der Streitkräfte auf der inneren Linie und dem Vorteil der Erstschlagsfähigkeit ohne größere erkennbare Vorbereitungen […] über die Fähigkeit [verfügte], die NATO ohne Vorwarnung (Überraschungsangriff) anzugreifen.“ (WEISSE, G.K. 2005, S. 77).

Was bedeutete das in Zahlen?

Aus einem damals als „TOP SECRET – COSMIC“ (siehe Geheimhaltungsstufen) klassifiziertem Dokument ging hervor, dass die Sowjetunion und ihre Verbündeten mit 75-120 Liniendivisonen (etwa 12000 Soldaten pro Liniendivison), 5000 Jagdbombern und Jagdflugzeugen sowie Hilfestellung der Baltischen Rotbannerflotte aus der Ostsee Ziele in Westeuropa angreifen würde.

Zeitgleich wären nach diesem Szenario Angriffe gegen Skandinavien mit bis zu 17 Liniendivisonen unter Beteiligung von etwa 800 Luftangriffsflugzeugen durchgeführt worden.

Die britischen Inseln wären parallel von etwa 350 mittleren und leichten Bombern ins Visier genommen worden – die Türkei (europäischer Teil) und die Balkanländer mit bis zu 60 Liniendivisonen und nochmals 2000 taktischen Luftfahrzeugen. Dies hätte zur Besetzung von Österreich und Jugoslawien geführt, von wo aus dann Angriffe gegen Italien erfolgt wären, unterstützt von 800 Bombern, die von anderen Frontlinien abzogen werden sollten. Hierbei hätte die Schwarzmeerflotte die angreifenden Kräfte unterstützt. Diese hätte sich anschließend dem asiatischen Teil der Türkei zugewandt, zusätzlich zu 30 Liniendivisonen auf dem Land- und 1600 Kampfflugzeugen auf dem Luftweg.

Die Speerspitze hätte dann auf dem Fuße gefolgt: der Angriff gegen Ziele in Kanada und den USA, ausgeführt als konventionelle und nukleare Luftangriffe, Verminung der Küsten sowie Operationen auf dem See- und Lufweg, sowie Sabotage, Zersetzung und weltweiter unkonventioneller Krieg gegen alle, die sich den Interessen entgegen gestellt hätten.

Im Detail ging man in Deutschland davon aus, dass das Land als Frontstaat im Konflikt eine tragische Rolle spielen würde: da hier die beiden Linien der Machtblöcke aufeinander trafen, war von schweren Verlusten auszugehen, ja man befürchtete, dass das Land am Ende mehr oder weniger dem Erdboden gleich gemacht werden würde – und zwar ungleich der Situation im zweiten Weltkrieg.

Hierzu hätte die feindliche Angriffsstrategie mutmaßlich zu einer Zerschlagung des Landes in 8 bis 9 Verteidigungsinseln geführt – dies wären die Bereiche um die Großstädte bzw. Ballungsgebiete gewesen. Zudem wäre die gerade in einen Normalzustand nach dem zweiten Weltkrieg mühsam zurückfindende junge Republik durch subversive Aktionen, Zersetzung und Sabotage geschwächt worden. Man rechnete mit einem totalen Zusammenbruch der Infrastruktur durch Flüchtlingsströme und militärischen Verkehr.

Diese Lagebetrachtung lässt erkennen, wie zum damaligen Zeitpunkt mit Abschreckung und Drohkulissen massive Angst aufgebaut wurde. In diesem Licht wird klar, warum eine Anlage wie Marienthal damals gebaut werden konnte. Sie sollte den Drohszenarien sowohl technisch als auch mit Signalcharakter entgegentreten: „seht her, wir sind vorbereitet“. Entgegen der irrigen Annahme vieler Beteiligter und Unbeteiligter war das primäre Ziel der Anlage nicht, einem ausgewählten Personenkreis 30 Tage nach dem „Big Bang“ eine ungewisse Zukunft zu sichern, sondern es erst gar nicht dazu kommen zu lassen.

Die beschriebene Situation der Zersetzung und gezielten Sabotage wäre einer kriegerischen Auseinandersetzung mit großer Wahrscheinlichkeit vorausgegangen. In dieser Zeit sollte das Land und seine Streit- und Ordnungskräfte sowie die wichtigsten Behörden trotzdem sicher geführt werden können. Hierzu wurde der Ausweichsitz geschaffen.

Historie . Entstehung und Bau

Donnerstag, Januar 24th, 2008

Unmittelbar nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland entstanden erste Überlegungen, Luftschutzmaßnahmen auszubauen um wichtige Organe der Regierung im Verteidigungsfall zu schützen. Anfang der 50er Jahre begann mit der Suche nach geeigenten Objekten, in der neuen Bundeshauptstadt Bonn und später auch in der unmittelbaren Umgebung.

1955 tritt die Bundesrepublik nach Inkrafttreten der Pariser Verträge der NATO bei. Die Lagebewertung der NATO im Kalten Krieg hatte ein erhebliches Bedrohungspotenzial zum Inhalt. Die Regierung sah Handlungsbedarf und reagierte auf die Lagebewertung und die Anforderungen der NATO mit dem Ausbau zweier Eisenbahntunnel im Ahrtal.
Seit l953 hatte die neugegründete Bundesanstalt THW (Bereich BMI) in der ehemaligen Klosteranlage (oberirdisch) die Bundesschule THW (Bergung und Rettung) eingerichtet, die später unter anderem für die Verwaltung des Ausweichsitzes übernommen wurde.

Die Bauzeit für die unterirdischen Anlagen betrug von 1960 bis l972, die Fertigstellung der Anlage Ost war 1966, die Bauarbeiten für die Anlage West wurden bis l972 unter teilweise schwierigen Bedingungen abgeschlossen. THW-2 war für einen Aufenthalt von etwa 3.000 Personen für 30 Tage unter Kriegsbedingungen d.h. ohne direkten Kontakt nach außen vorgesehen und bot Schutz vor ABC-Waffen.

Während der Bauzeit gehörte die Anlage als Außenstelle zum Bundesamt für zivilen Bevölkerungsschutz –BzB, später Bundesamt für Zivilschutz – BzS – in Bonn-Bad Godesberg.

 

Liebe Besucher!

Donnerstag, Januar 24th, 2008

Guten Tag und willkommen auf der Webseite THW-Marienthal. Diese Webseite existiert seit 2001 und widmet sich dem ehemaligen Ausweichsitz der Bundesregierung im Ahrtal.

Ab sofort ersetzt dieses Blog die bisherige statische Webseite, denn fast 10 Jahre nach der Außerdienststellung der Anlage und dem fast vollständigen Rückbau kommt nun wieder Leben in das Projekt.

Die Anlage „Dienststelle Marienthal“ wurde ab 1955 unter strenger Geheimhaltung bis Ende der 60er Jahre in zwei ehemaligen Eisenbahntunneln gebaut und bis 1999 in Betrieb gehalten. Ab dann wurde der Ausweichsitz der Verfassungsorgane auf Beschluss des Deutschen Bundestages zurückgebaut. Aufgrund der Initiative von ehemaligen Bediensteten und Soldaten bzw. des örtlichen Heimatvereins konnte ein Teil der Anlage erhalten werden. Dieser öffnet im März 2008 als „Dokumentationsstelle Ausweichsitz der Verfassungsorgane“ seine Drucktüren für Besucher.

Die Webseiten des THW finden Sie unter http://www.thw.de – zur Historie der Anlage finden Sie mehr Details im entsprechenden Beitrag.

Viel Freude beim Lesen wünscht Ihnen Harald Scherer (ehem. FmBtl 910 Rheinbach)